Was zu lesen

 

Brita und der Berg

3.-10. Februar 2008

Eine Woche in Tansania

Während einer wunderschönen Woche nicht allein, doch ohne Familie in herrlicher Natur konnte ich einen Arbeits-Urlaub genießen.

Am Sonntag 8 Uhr trafen wir (Roswitha, Margret, Alejandra und Frankuns am Airport, flogen mit einer Stunde Verspätung los, weil gerade ein Wichtiger vom Treffen der afrikanischen Staatsmänner ausgeflogen wurde. Kurz vor 4 waren wir dann in Moshi und zum Kaffetrinken eingeladen bei einer deutschen Familie. Ich hatte Pflaumenkuchen mitgebracht. Übernachtet haben wir in einem Hotel der lutherischen Kirche mit Blick auf den Kilimanjaro.

Am nächsten Morgen tauschten wir Geld und fuhren auf Safari in einen 150 km entfernten Nationalpark. Wir konnten viele Elefanten, Giraffen, Wasserböcke, Antilopen, Zebras, Büffel, Affen, Schakale, Mungos, Klippschliefer und viele Gazellen sehen. Übernachtet haben wir in einem Zeltcamp mit toller Verpflegung, Swimmingpool und fantastischem Sternenhimmel. Am nächsten Trag nach einer morgendlichen Tier(be)such-Tour und Frühstück fuhren wir zurück nach Moshi und nach dem Mittagessen gings schon weiter an den Fuß des Kilimanjaro in ein von Kapuzinerinnen geführtes Projekt mit Gästehaus. Von meinem Zimmer konnte ich eine Spitze des Kili sehen, den Mawenzi. Der Kibo mit dem höchsten Punkt, dem Uhuru-pik  (5892m) lag leider hinter Bäumen, sodass man vors Haus gehen musste. Die Verpflegung war Spitze, die Gruppe ganz toll (nur 17 Leute) und das Thema interessant.

 

Es ging um Mission und wir hatten eine Argentinerin und eine Simbabwerin dabei, die aus der Erfahrung des eigenen Volkes berichten konnten. Die anderen waren eine Deutsche aus dem Sudan, eine aus Uganda, 5 aus Nordtansania, 2 aus Kenia und wir 5 aus Äthiopien waren dabei. Von Dienstag bis Sonntag waren wir in dem Guesthouse, am Freitag hatten wir eine Wanderung ein Stück den Kilimanjaro hoch in den Regenwald, wo ein Deutscher ein Wasserprojekt leitet. Auf dem Rückweg kamen wir in so einen heftigen Regen, der jede Faser erreicht hat. Das hielt uns (Roswitha, Frank und mich) aber nicht davon ab, die 8 km zurückzulaufen, statt uns zu fünfzehnt in den Landcruiser zu quetschen. Am Sonntag haben wir dann den Gottesdienst in Moshi auch für die anderen ca. 40 deutschsprachigen Christen vorbereitet und gefeiert. Nach einem Lunchbuffet mußten wir kurz vor 2 schon wieder zum Flughafen aufbrechen, halb fünf abfliegen um dann mit einer Stunde Aufenthalt in Nairobi 10 min vor der Zeit gegen acht in Addis zu landen.

Christoph hat mich abgeholt und auf dem Nachhauseweg hat Doris schon angerufen, dass Sarah sich gar nicht beruhigen lässt: erst Mutter weg und nun Vater auch noch. Kaum zu Hause hat sie nach njam-njam verlangt und ist dann bald an der Brust eingeschlafen. Mit Judith, Elia und Esther hatte ich heute einen intensiven Tag. Es war aber alles gut gelaufen, auch der Kindergarten mit Friederike.


 

Die Uhren gehen anders

Markt in der Regenzeit2. September 2007 Hier in Addis hat uns die Regenzeit voll im Griff. Der Tag fängt mit 13 Grad im Zimmer und Heizgerät unterm Tisch an und Brita hält für ihre Kindergruppe den ganzen Vormittag unseren Kamin am Brennen. Meist kommt tagsüber die Sonne mal kurz zum Vorschein, dann können die Kinder auf der Terrasse spielen. Die Wiese ist naß, hochgewachsen und voller bissiger Ameisen, da können sie sich nicht aufhalten. Alles ist Matsche, was nicht Schotter, Beton oder Asphalt heißt.

Äthiopien geht auf den Jahreswechsel am 12. September zu. Dazu wollte man Straßen neugebaut haben, die jetzt alle unfertige Schlammwüsten sind. Das Fahren ist eine Geduldsprobe. Die ganze Stadt wird gerade geschmückt: Bunte Glühlampen an den Straßenlaternen, Neupflanzungen auf den Grünsteifen, schöne Reklametafeln vor den Dreckecken und tolle Transparente zeugen von Schein des Seins. Natürlich müssen jetzt auch die Bettler von den Straßenkreuzungen verschwinden. Sie werden in großem Stil eingesammelt und weit außerhalb der Stadt irgendwo wieder freigelassen. Schäbige Notunterkünfte für frisch eingewanderte Bürger werden vor den Augen der Leute abgerissen und mit dem Müllauto weggeschafft. Die Leute sitzen im Regen und stehen vor dem Nichts.

Wegen des Jahrtausendwechsels nach Äthiopischen Kalender werden viele Gäste in der Stadt erwartet und wir hoffen, das das alles an uns irgendwie vorbei geht. Zumindest gibt es schulfrei für die Kinder weil ja sowieso kein Durchkommen wäre.

Elia und Judith haben ja schon wieder seit zwei Wochen Schule. Beide haben neue Klassenlehrerinnen und kommen damit recht gut klar. In dieser Woche sind die ersten Elternabende zum Kennenlernen. Esther und Sarah sind im hauseigenen Kindergarten. Außer ihnen hat Brita bisher noch vier weitere Kinder dabei. Vielleicht ab Montag fünf. Wir sind auch wieder auf der Suche nach einer Helferin, da sich die vor der Regenzeit angeheuerte mit zwei Monatslöhnen fürs Nichtstun abgesetzt hat.

Unsere Hausmannschaft hat uns gebeten, die Löhne zu erhöhen. Mindestens 20% Inflation lassen das Leben für sie teuer und für uns den Umtauschkurs günstig werden.

Auch meine Arbeitsstelle ruht in Regenzeitstarre. Vor Oktober sind keine Kinder zu erwarten, die Lehrer sind größtenteils zur Weiterbildung. Unsere Baustelle geht sehr zäh voran, die äthiopische Firma ist nicht in der Lage, ihre Versprechen zu halten und „verspricht“ sich immer wieder. Die Brotbäckerei haben wir eingestellt, da aus klimatischen Gründen der Sauerteig nicht wie erwartet reagiert. Wenigstens die Biogasanlage profitiert vom gehobenen Grundwasserspiegel und ist gut gefüllt. Seit etwa einem Monat können wir zwei Herde mit dem Biogas betreiben. In den neuen Räumen für die Frühförderung erledigen wir gerade die Innenausbauarbeiten. Spanplatten, die nicht rechtwinklig und dazu nicht gerade zugeschnitten sind zusammenzupassen, zu nuten und schwimmend auf dem Fußboden zu verlegen dauert unerwartet lange.

Heute zum Sonntag haben wir wieder einen schönen Gottesdienst in der Deutschen Gemeinde gefeiert und uns dann lange beim Kirchenkaffee aufgehalten. Wieder waren ein paar neu Angekommene zu begrüßen und anschließend waren wir zum Essen mit Freunden im „Blue Top“, einem nahegelegenen Restaurant. Nachmittags kamen dann Weitgereiste zum Kaffee. Michel und Elke hatte ich früh vom Flieger aus Deutschland abgeholt. Familie Müller waren auf der Durchreise von Dembi Dollo nach Deutschland. Das ergab eine gute Runde mit interessanten Gesprächen.


Im Flugzeug wird es "nicht langweilig"

Es war eine Mutter, die hatte vier Kinder...

So sind wir in Äthiopien angekommen…

17. August 2007 Kurz vor fünf sind wir in Niesky aufgewacht (worden), eine dreiviertel Sunde später nach Dresden aufgebrochen, am Flughafen von den Dresdnern empfangen und bis zum Abflug begleitet worden. Auch diesmal hat die Frau am Schalter uns mit ca. 15 kg Übergepäck passieren lassen. In 8 Koffern hatten wir 175 kg und in den 6 Handgepäckstücken nochmals je 8-10 kg. Und Brita hatte alles an zwei Tagen zusammengepackt!

In Frankfurt waren wir dann schon 9.40 Uhr und da gab erst mal überteuerte Baguettes vom Imbiss und 4 Flaschen Martini aus dem Duty Free. Zum Schokoladekaufen reichte die Zeit nicht, da wollte man uns schon im Flugzeug haben. Wir hörten, sobald wir saßen „Bording completed“ und dann gings 10.55 Uhr los. Bis zum Mittag on bord mit Indischem Hühnchen oder Rindfleisch Häppchen in Mischgemüse haben ich und Esther geschlafen, die Sarah wohl auch ein wenig. Gerade noch rechtzeitig ein Blick aus der Luke, da ist also die Mittelmeerküste.

Beim nächsten Blick war sie es wieder, diesmal aber die afrikanische. Dann jede Menge Wüste bis Karthoum und eine Stunde Aufenthalt zum Tanken. Da wars dann schon 6 Uhr und noch eineinhalb Stunden bis Addis. Stern, Spiegel, Fokus, Autozeitung durchgesehen, die Kinder belustigt und gebändigt, was sollen wir jetzt noch anstellen, um die Zeit rumzukriegen? Endlich 20.30 Uhr Landeanflug Addis und das gute Gefühl, in vertraute Gegend zu kommen, aber wie wird es diesmal sein? Passkontrolle ging fix, den sensiblen Koffer hat ein Kollege durch den Zoll gebracht, alle und alles ist angekommen, nur der bestellte Fahrer ist nirgends zu sehen. Ich gehe mal zur Tür nachsehen, ob er draußen wartet, entferne mich einen Meter vom Wachhabenden und der läßt mich promt nicht mehr rein. Also zur anderen Tür rein, den guten Mann überzeugen, das ich jetzt keine Eintrittskarte brauche und durch die Personenkontrolle zurück zur wartenden Familie. Kein Fahrer da. Also telefonieren. Meine Mobilkarte hab ich in Deutschland so gut aufgeräumt, das ich sie nicht mehr gefunden habe. Der Automat kann mich nicht leiden. Entweder fällt des Geld durch oder ich bekomme keine Verbindung oder der Angerufene nimmt nicht ab. Nach zwanzig Minuten steht der gute Mann plötzlich hinter mit und wir begrüßen uns herzlich. Alles ok, jetzt nichts wie heim!

Nur noch den Fahrer unterwegs absetzen und darum um die ganze Stadt außenrum kutschen, so eine Ring-Straße ist schon praktisch. Nur schlecht beleuchtet und mit neuen Löchern versehen und mit Fußgängern, die über die Absperrung springen, direkt vors Auto. Kennen wir alles, kann uns nicht so tief erschüttern. Wir werden kurz nach 22 Uhr von unseren Leuten herzlich empfangen, auch Philipp und Valeska sind da, zwei Radfahrer auf dem Weg nach Süden. Beim Kofferreintragen fällt der Strom aus und das Telefon ist auch abgeklemmt, weil wir nicht bezahlt haben.

Brita möchte gern die Wurstvorräte für die nächsten 10 Monate einfrieren, aber der Koffer ist weg. Am Flughafen vergessen. War wohl doch zuviel Streß. Ich fahre mit Demisse, unserem Gärtner zum Kofferfinden. Bei der Gepäcksammelstelle weiß man nichts. Ich darf etwa 40 Koffer von heute und viele mehr von früher begutachten. Dann rufen wir Brita zu Hause an und vergleichen die Nummern. Die Nummer hilft nicht weiter, ich möchte ein Protokoll aufnehmen lassen, aber die Beamten sind verschwunden. Und da ist auf einmal unser Koffer. Er fährt noch immer oder wieder? seine Runden auf dem Gepäckband. Kurz nach zwölf bin ich zu Hause. Wir danken Gott für eine behütete Reise und sind gespannt, was das nächste Jahr Äthiopien bringen wird.